Ich nehme die Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Dortmund an

September 14, 2009 by Klaus  
Abgelegt unter Rückblicke

Dortmund, den 14.09.09

Ullrich Sierau:
Ich nehme die Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Dortmund an


Schwere Tage und Stunden liegen hinter meiner Familie und mir. Nie zuvor in meinem beruflichen oder privaten Leben sah ich mich solch vehementen Angriffen auf meine persönliche Glaubwürdigkeit und Integrität ausgesetzt. Dies bedurfte einer Auszeit, die ich mir übers Wochenende mit meiner Familie genommen habe. Die Ankündigung des Nachdenkens in den Medien führte zu einer überwältigenden Anteilnahme aus der Öffentlichkeit und aus meinem persönlichen Umfeld.
Hierfür danke ich von ganzem Herzen.

Die Kernfragen für viele Menschen stellen sich wie folgt:
“Was wusste „der Sierau” vor der Wahl von der Haushaltslage und war er an der „Offenlage” der Haushaltssituation am Tag nach der Wahl beteiligt?”
Und im Nachgang zu meinen öffentlichen Aussagen:
“Wie kann es sein, dass er als Stadtdirektor “Nichts wusste” bzw. unmittelbar eingebunden war. Dann kann der doch kein guter Stadtdirektor und schon gar kein guter Oberbürgermeister sein!

Was ist der Sachverhalt? Der gegenwärtige Doppelhaushalt 2008 / 2009 wurde im Dezember 2007 durch den Rat der Stadt Dortmund verabschiedet. Damals war die Lehman-Brothers-Pleite und die sich daraus ergebende Finanz- und Wirtschaftskrise nicht absehbar.

Jeder Haushalt ist bei seiner Aufstellung mit Risiken behaftet. Das ist wie bei einer Firma oder auch beim Privathaushalt: Man kann sich nie ganz sicher sein, dass der Plan hält, dass Einnahmen sprudeln und nicht Vorhergesehenes plötzlich neue Ausgaben erfordert. Dennoch ist es in den letzten drei Jahren 2006, 2007 und 2008 trotz widriger Umstände und auch trotz widriger Prognosen bis weit ins jeweilige Jahr hinein immer wieder gelungen, den Haushalt “quitt” zu stellen. Mit anderen Worten, erst am Ende des Jahres bzw. erst zum Zeitpunkt des Haushaltsabschlusses im Frühjahr des Folgejahres wird klar, ob der Plan gepasst hat.

Erlaubt sei der Hinweis, dass die Dortmunder Haushaltslage auch aktuell von umliegenden Kämmerern noch als relativ solide eingeschätzt wird. Jüngst bekannt gewordene Daten zu Bochum, Duisburg oder Hagen oder auch ganz aktuell zu Essen, Krefeld und Wuppertal verdeutlichen diese Einschätzung. Alle Kommunen leiden unter der strukturellen Unterfinanzierung. Es werden Aufgaben zugewiesen durch Landes-, Bundes- oder europäische Ebene, für die aber die kommunale Finanzausstattung nicht mitgeliefert wird.

In NRW kommt hinzu, dass den Kommunen durch die Landesregierung in den letzten Jahren kontinuierlich Mittel entzogen worden sind.
Aktuell diskutiertes Beispiel: die verweigerte Rückzahlung der überzahlten Solidaritätszuschlags-Ost Mittel. Obwohl der Verfassungsgerichtshof in Münster Ende 2007 den Kommunen den Rechtsanspruch auf die zu viel gezahlten Beträge zugestanden hat, zahlt das Land NRW nicht.
Für Dortmund heißt das: Von den zustehenden ca. 80 Mio. Euro fehlen noch ca. 52 Mio Euro, die das Land zurückzahlen muss. Aktuell sind von diesen 52 Mio Euro 11,5 Mio Euro als Einnahmen im Haushalt veranschlagt. Sie sind somit Teil der Mindereinnahmen 2009, wenn das Land NRW nicht zahlt.

Was habe ich wann wovon gewusst? Als Stadtdirektor habe ich natürlich an den Haupt- und Finanzausschusssitzungen teilgenommen. Hier hat die Kämmerin am 07. Mai 2009 einen Sachstandsbericht gegeben. Dieser wurde zwischen den Fraktionen diskutiert. Zwar wurden Risiken erörtert, aber eine unbeherrschbare Situation schien sich nicht anzubahnen. (siehe Niederschrift) Dieser Einschätzung bin auch ich gefolgt.

Nun zum 5.Juni 2009. Dieser Termin ist ja insbesondere über die politische Diskussion und durch die Medienberichterstattung hochstilisiert worden zu dem Tag, an dem ich von einem umfassenden Haushaltsloch in der auf der PK am 31. August 2009 genannten Größenordnung erfahren haben soll. Richtig ist, dass dieser Termin unter Beteiligung der Kämmerin und des Oberbürgermeisters stattgefunden hat. Es war eine sogenannte Eckwerteverabredung, in der hauptsächlich erörtert wurde, wann die Haushaltsberatungen für das Jahr 2010 geführt bzw. begonnen werden sollen.

Ich habe nur kurz an dem Termin teilgenommen. In meiner Gegenwart wurde die bereits gefallene Entscheidung reflektiert, die Beratungen im September 2009 beginnen zu lassen, um dann angesichts genauerer bzw. belastbarerer Wirtschaftsdaten mehr Klarheit zu haben.

Die seitens der Kämmerei zur Vorbereitung gelieferten Prognosezahlen für das Jahr 2009 spielten in meiner Anwesenheit keine Rolle. Für mich galt ohnehin weiterhin die Darstellung der Kämmerin in der HFA- Sitzung vom 7. Mai 2009.

Natürlich muss ein Stadtdirektor über die Haushaltslage im Bilde sein – dem Grundsatz nach und auch im Hinblick auf Risiken. Er ist hierbei allerdings auf die Information durch die Kämmerei bzw. die Kämmerin / den Kämmerer angewiesen. Nach der Gemeindeordnung hat der Kämmerer/ die Kämmerin eine herausgehobene Position im Verwaltungsvorstand. Damit ist eine hohe Verantwortung und auch eine herausgehobene Vertrauensstellung verbunden. Es ist insofern dem Kämmerer bzw. der Kämmerin übertragen, je nach Lage des Haushaltes andere Mitglieder des Verwaltungsvorstandes zu unterrichten oder eben auch nicht. So kann etwa eine Haushaltssperre ohne vorherige Information der anderen Vorstandsmitglieder erlassen werden.

Genau die ist am 31. August 2009 verkündet worden, ohne vorherige Information. Auch nach der Ankündigung der HH-Sperre auf der Pressekonferenz wurde ich nicht unterrichtet. Ich habe von der Sperre aus dem Autoradio erfahren. Die in diesem Zusammenhang genannten Beträge – Erwirtschaftung von 80-100 Mio Euro – wurden mir im Rahmen eines Radiointerviews durch den interviewenden Journalisten genannt.

Meine Nachfragen bei der Kämmerin am 31. August 2009 abends, am 1. September 2009 vormittags und am 2. September 2009 mittags haben kein vollständiges Zahlenwerk ergeben. Das erachte ich als Zumutung. Daher ist mein Vertrauen in die Kämmerin nachhaltig erschüttert.
Um es nochmals ganz klar zu sagen: Ich habe von der Situation im August 2009, von den Gesprächen zwischen Kämmerin und Oberbürgermeister und der dort erörterten – tatsächlichen oder vermeintlichen – Eskalation der Haushaltszahlen keine Kenntnis gehabt. Die jüngste Vorlage der Verwaltung an den Haupt- und Finanzausschuss vom 10.09.09 belegt auch, dass die Mehrausgaben gedeckt werden können. Risiken auf der Einnahmeseite sind nach dem gegenwärtigen Stand vorhanden aber wohl in den Griff zu bekommen. Das sogenannte Haushaltsloch beziffert sich demnach auf ca. 20-30 Mio Euro.

Das hätte meines Erachtens schon auf der Pressekonferenz am 31. August 2009 verdeutlicht werden müssen. Ich bin empört darüber, dass offenkundig eine Pressekonferenz zum Thema Haushaltssperre durchgeführt worden ist, ohne dass den anwesenden Medienvertreter(inne)n eine plausible und transparente „Zahlenwelt” präsentiert werden konnte. Erst aufgrund dieses unglaublichen handwerklichen Mangels ist es offensichtlich zu der objektiv unzutreffenden Kommunikation über ein angebliches Haushaltsloch im Umfang von ca. 100 Mio Euro gekommen. Eine derartige Leichtfertigkeit im Umgang mit Sachverhalten und im Umgang mit Medien und Öffentlichkeit ist unfassbar. Sowohl dem demokratischen System als auch dem Ansehen der Stadt Dortmund ist damit ein unermesslicher Schaden zugefügt worden.

Ich wurde als Stadtdirektor und als gerade gewählter Oberbürgermeister der Stadt Dortmund in unerträglicher Weise brüskiert. Dadurch bin ich in eine unhaltbare menschliche Lage gebracht worden. Hatte ich im Wahlkampf für Transparenz, Glaubwürdigkeit und Bürgernähe geworben, so war und bin ich in Teilen der Öffentlichkeit als Teil eines unglaubwürdigen Systems abgestempelt. Meine persönliche Glaubwürdigkeit, meine Familie und mein Freundeskreis sind unter der Überschrift „Wahlbetrug” einer beispiellosen Kampagne ausgesetzt. Politische Konkurrenz ist im Rahmen des Bundestagswahlkampfes durch dieses beispiellose und fahrlässige Verhalten eingeladen worden, ihr wahltaktisch motiviertes Süppchen zu kochen. Zumindest das scheinen die Menschen aber zunehmend zu durchschauen, wie mir viele Gespräche und Rückmeldungen der letzten Tage gezeigt haben.

Dieser Vorgang muss gravierende Konsequenzen haben. Ich habe nach der Pressekonferenz innerhalb der Verwaltung darauf gedrungen, eine belastbare und transparente „Zahlenwelt” vorzulegen. Ich habe auf Information der Bezirksregierung Arnsberg gedrungen und persönlich mit dem Regierungspräsidenten telefoniert, um verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen bzw. einem weiteren Vertrauensverlust vorzubeugen. Ich habe für die Aufstellung einer Nachtragshaushaltssatzung sowohl innerhalb der Verwaltung als auch gegenüber der Politik geworben, wo das notwendig war.

Die Gebote der Stunde und für alle Ewigkeit lauten: Transparenz, Offenheit, Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit, Kooperation mit der Bezirksregierung in Arnsberg, verbesserte Finanzausstattung der kommunalen Ebene und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Personalvertretung.

Wir brauchen in Dortmund eine neue politische Kultur, wir brauchen einen Systemwechsel auch im Umgang miteinander. Dieser Schock sollte gemeinsam verarbeitet werden.

Ich persönlich würde mich über eine Entschuldigung manch eines Akteurs freuen, der entweder unkorrekt berichtet hat oder mich persönlich ohne Kenntnis der Hintergründe verunglimpft hat. Auch meine Familie fände das ehrenhaft.

Was hier als „Betrug” bezeichnet wird, ist m.E. nicht justitiabel. Das muss durch die verschiedenen Instanzen des Rates bzw. vor Gericht geprüft werden.
Aber die Stadt, die Wählerinnen und Wähler, haben auch einen Anspruch darauf, dass der mit deutlichem Vorsprung gewählte Oberbürgermeister antritt, in die Hände spuckt und an die Arbeit geht. Dabei wird die Aufklärung aller Vorwürfe an erster Stelle stehen. Als gewählter OB bin ich bereit, das drohende Wahlanfechtungsverfahren durchzustehen. Ich habe nichts verbrochen und habe ein reines Gewissen.

Ich nehme die Wahl an, weil ich im Wahlkampf erklärt habe, mit Leidenschaft für diese Stadt und ihre Menschen kämpfen zu wollen. Das muss für jede Lage gelten, gerade in schwierigen Zeiten, auch wenn die Lage ernst ist. Ich trete ein für Bürgernähe, für Transparenz und für Offenheit, für eine neue politische Kultur. Das gefällt den Menschen, das wollen die Menschen, darum haben sie mich gewählt. Ich habe Sie nicht betrogen. Und ich werde alles daran setzen, verlorenes Vertrauen zurückzuerlangen.

Denn ich sage in aller Deutlichkeit: Ich hätte anders gehandelt. Wäre ich bereits am 11. August 2009 Oberbürgermeister dieser Stadt gewesen, dann wäre ich dem Vorschlag der Kämmerei bzw. der Kämmerin gefolgt und hätte dem unmittelbaren Inkrafttreten einer Haushaltssperre und der Aufstellung einer Nachtragshaushaltssatzung zugestimmt. Die Menschen in diesen Stadt können sehr gut mit der Wahrheit umgehen. Ich hätte auch unmittelbar den Kontakt zum Rat der Stadt Dortmund und zur Bezirksregierung Arnsberg hergestellt bzw. herstellen lassen, um endlich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Ich habe es immer wieder gesagt: Ich möchte als Oberbürgermeister so arbeiten, dass sich die Menschen darin wieder erkennen, dass Sie das klare Gefühl haben: Der macht das so, wie wir es wollen und wie wir es auch machen würden.

Dass sie sagen können: Wir sind OB.

Und deshalb trete ich das Amt an.

„Glückauf und an die Arbeit !!!”

Ullrich Sierau

P.S. Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit

Kommentare

25 Antworten zu “Ich nehme die Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Dortmund an”
  1. Dr. Peter J. Stauvermann sagt:

    Sehr geehrter Herr Sierau,

    ich habe volles Verstaendnis fuer Ihren Ruecktritt, wofuer ich kein Verstaendnis habe ist, dass der Steuerzahler dafuer aufkommen soll und wiederum 1,1 Mill vernichtet werden. Also, es kommt nur einer in Frage und das ist Ihr Vorgaenger Herr Dr. Langemeyer, dieser hat sich ja auch noch ein Aufsichtsratspoestchen bei der RWE gesichert, wobei er schlappe 200.000 EUR pro Jahr bekommt und das als Stadtvertreter. Er der studierte Kunstexperte, die wissen ja alles ueber Energie und Oekonomie sowieso sozusagen ein richtiger Experte. Und bitte, verweisen sie nicht auf die Juristische Lage, die kann man auch geschickt aendern, wenn man will, im Zweifel fragen Sie mich ich kenne in Russland Experten fuer solche Fragen. Man muss nur suchen Herr Langemeyer hat Dreck am Stecken. Ich bin es satt, fuer jeden Scheiss der verbockt wird zahlen zu muessen, aber die Verursacher immer auf der Sonnenseite des Lebens sitzen. Und jetzt erwarte ich eine dezidierte Stellungnahme warum Herr Dr. Langemeyer nicht juristisch verfolgt wird und warum er nicht wenigstens in der Oeffentlichkeit blossgestellt wird und moralisch unter Druck gesetzt wird. Falls das nicht passiert, werde ich und andere Sie jedenfalls nicht waehlen.

    Mit besten Gruessen

    Dr. Peter J. Stauvermann

  2. Helmut Lierhaus sagt:

    Wie soll eine Fortsetzung der sozialen Wohnungspolitik in Dortmund noch möglich sein, nachdem die SPD ihren bisherigen Bündnispartners B90/Die Grünen demontiert hat?

  3. Martin Janz sagt:

    Sehr geehrter Herr Sierau, lieber Ulli,
    die Rache des abgeschossenen OB, die Sie (DU) nun ertragen muss, tut mir leid. Die Selbstherrlichkeit des Herren, und die der anderen Verlierer, ist ja eigentlich nachvollziehbar. Aber der Rummel der von interessierter Seite, Medien und Mitbewerber, veranstaltet wird ist unerträglich. Ich suche bei ruhrnachrichten.de den Vordruck für ´ne Wahlanfechtung. Würde ich aber nicht zum Rathaus schicken, sondern zum Bundeswahlleiter. Weil: ich unterschreibe keinen Koalitionsvertrag ohne eine niedrigere und einfachere Steuergesetzgebung. Nun aber muss ich feststellen, nach dem ich allen Rettungsschirmen fürs Kapital zugestimmt habe, ist nicht. Kindergeld-Erhöhung ist nicht. Kinderfreibetrag auf 8002 €, ist nicht. Verdreifachung der Schonbeträge für Hartz IV-Empfänger kostet nix, hat eh kaum einer. Höchstens 15 % der Betroffenen. Aber Zuzahlung zur Krankenkasse, ohne Grenzen frei. PKW-Maut, unbedingt erforderlich.
    Aber im Mai die Hochrechnung fürs ganze Jahr mal auf Abwarten gestellt, wie immer in all den Jahren vorher, dass ist lt. den Krakelern, echt Beschiss. Wenn es nicht zu gefährlich wäre, sollten wir es in Dortmund mit Hörgeräteverkäufer, Rechtsanwälten vom Phönix-Forum oder Postjungschaffnern für ein halbes Jahr mal probieren. Aber besser ist es Ullrich Sierau als verantwortungsvollen OB zu akzeptieren.
    Martin Janz

  4. rosina sagt:

    Es wäre fast utopisch zu glauben, die Unterlegenen würden das Wahlergbnis ohne irgendwelche Schmutzkübelaktionen hinnehmen (und seien es auch die Genossen aus der eigenen Partei). Ich bin der Auffassung – weil ich Herrn
    Sierau aus der politischen Arbeit kenne – dass Dortmund keinen besseren und glaubwürdigeren Oberbürgermeister bekommen kann. Ich wünsche Herrn Sierau viel Kraft und Energie alles durchzustehen.

  5. Andreas Konrad sagt:

    Hallo Herr Sierau,

    auch Sie haben von mir eine Stimme bekommen, die SPD allerdings nicht. Schon wegen Ihrem Vorgänger, Herrn Langemeyer, hätte es die SPD nicht verdient.

    Ich könnte Bände schreiben, doch es würde an der Verlogenheit der Ihres Vorgängers und seinen “Helfern” nichts ändern.
    Mit meiner Stimme erhoffte ich mir einen Umschwung, weg vom “Filz” wie es die CDU ausdrückte. Jetzt habe ich große Zweifel.

    Politiker sollten sich nicht wundern, wenn der Bürger darauf pfeift zur Wahl zu gehen. Die SPD Dortmund hat es geschafft, seine Bürger zu verprellen und ich hoffe das auch der SPD-Standardwähler langsam einsieht sich gedanken zu machen, wo er das Kreuz setzt.

    Ich wünsche Ihnen Herr Sierau, viel Erfolg die Bürger davon zu überzeugen, dass in Dortmund Demokratie gelebt wird.

  6. Christian Witte sagt:

    Sehr geehrter Herr Sierau,

    Sie sollten noch einmal gesondert Stellung nehmen zu den Konsequenzen, die sich ergäben, wenn Sie die Wahl nicht annähmen.
    § 45 des Kommunalwahlgesetzes NRW besagt, dass wenn ein gewählter Bewerber … die Annahme der Wahl ablehnt …, der Sitz nach der Reserveliste derjenigen Partei oder Wählergruppe besetzt wird, für die der Ausgeschiedene bei der Wahl aufgetreten ist. … An die Stelle des … Ausgeschiedenen tritt der für ihn auf der Reserveliste aufgestellte Ersatzbewerber, falls ein solcher nicht benannt ist, der auf der Reserveliste der Reihenfolge nach nächste Bewerber.
    § 46 b des Kommunalwahlgesetzes NRW besagt, dass auf die Wahl … der Bürgermeister (§§ 65 und 66 der Gemeindeordnung) die Vorschriften des Kommunalwahlgesetzes NRW entsprechende Anwendung finden.
    § 66 der Gemeindeordnung (Abwahl des Bürgermeisters) besagt, dass der Bürgermeister von den Bürgern der Gemeinde vor Ablauf seiner Amtszeit abgewählt werden kann. Zur Einleitung des Abwahlverfahrens bedarf es eines von mindestens der Hälfte der gesetzlichen Zahl der Ratsmitglieder gestellten Antrags und eines mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der gesetzlichen Zahl der Ratsmitglieder zu fassenden Beschlusses. Der Bürgermeister ist abgewählt, wenn sich für die Abwahl eine Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen der wahlberechtigten Bürger ergibt, sofern diese Mehrheit mindestens 25 vom Hundert der Wahlberechtigten beträgt. Der Bürgermeister gilt als abgewählt, falls er binnen einer Woche nach dem Beschluss gemäß Absatz 1 Satz 2 auf die Entscheidung der Bürger über seine Abwahl verzichtet.

    Was wäre, wenn Sie verzichtet hätten? Wer würde stattdessen (übergangsweise) Oberbürgermeister werden bzw. bleiben? Wer würde (kommissarisch) die Geschäfte des Oberbürgermeisters führen? Wäre die Stadt Dortmund eine Zeit lang handlungsunfähig?

    Ihre Kritiker sollten sich erst einmal darüber Gedanken machen, anstatt loszupoltern …

  7. Liven Quell sagt:

    Sehr geehrter Herr Sirau,

    meine Stimme haben Sie erhalten, als Oberbürgermeister- keine Stimme hat die SPD bekommen!
    Dennoch muss ich sagen, dass ich es nicht nachvollziehen kann, dass Sie sich nicht der Wiederholungswahl gestellt haben- dass hätte bei einem Großteil der Bürger zu Vertrauen in die “Demokratie” und Politik gesorgt und zu echter Transparenz der Person “Ulrich Sirau” geführt!
    “Ich trete ein für Bürgernähe, für Transparenz und für Offenheit, für eine neue politische Kultur”- dies halte ich nun nur noch für eine Phrase!
    Eine der letzten SPD Hochburgen hat sich selbst das Wasser abgegraben und tut es mit Ihren Sparplänen auch weiterhin- Ihre Sparpläne könnten ebenso gut von einer schwarz-gelben Regierung stammen- wozu also noch die Sozialdemokratische Partei Deutschland wählen!
    “Das erachte ich als Zumutung. Daher ist mein Vertrauen in die Kämmerin nachhaltig erschüttert.”
    Frau Uthemann zur persona non grata zu degradieren finde ich ebenfalls nicht korrekt und trifft ebenso auf Sie zu- denn das Vertrauen Dortmunds Bürger in Sie und Ihre Partei ist ebenfalls nachhaltig erschüttert!!!Aber wahrscheinlich muss EINE den Kopf hinhalten- dafür, dass viele andere ebenfalls ihren Job nicht aufmerksam und sorgfältig genug gemacht haben- wie Sie, als Stadtdirektor- sonst wäre so ein Alleingang gar nicht möglich!

    Erzählen können uns Politiker viel, aber wir bewerten Sie nach Ihren Handlungen! Und die daraus resultierende Konsequenz ist die sinkende Wahlbeteiligung!

    Mein Glaube an die Demokratieist erschüttert,ich wünsche mir Wiederwahlen und, in einer Stadt leben zu dürfen in der der gewählte Oberbürgermeister sich stellt und im Zweifelsfalle seine Konsequenzen zieht!
    Ich habe Sie nicht als Privatperson gewählt sondern für ein Amt!

    Menschlich tut es mir sehr leid für Sie und Ihre Familie- aber ich spreche Sie in Ihrem Amt als Oberbürgermeister der Stadt Dortmund an!
    Mit freundlichen Grüßen,
    Liven Quell

    Durch diesen Eklat werfen Sie einen langen Schatten aus Dortmund nach Berlin!

  8. Stefan K. sagt:

    Dieser Kommentar wurde gelöscht.

    Der Moderator

  9. Ursula Brenscheid sagt:

    Guten Tag Herr Sierau,
    die Vorgänge haben mich ziemlich erschüttert, obwohl ich dachte, dass mich auf dem politischen Parkett nichts mehr wundern kann.
    Jetzt lese ich Ihr Statement, die Meinungen anderer Bürger und stelle fest:
    nach all dem was in der Politik (egal welcher Partei) geschehen ist an leeren Versprechungen, Lügen, Verschweigen von Wahrheiten, KANN ich NIEMANDEM mehr vertrauen. Und das finde ich traurig. Wie soll ich auch? Papier ist geduldig, das Internet ist geduldig, Worte sind geduldig.
    Ich finde das schlimm, dass die politische Kultur sich so entwickelt hat und ich glaube, dass es mir nicht allein so geht. Ich bin sicher, dass ich Vertrauen in eine “politische” Person nur noch entwickeln könnte, wenn ich sie über einen längeren Zeitraum persönlich erleben würde.
    Als Fazit meiner Erfahrungen jetzt ín dieser Angelegenheit überlege ich ernsthaft, ob ich mich (nach 25 Jahren Abstinenz) wieder der aktiven Politik zuwende.
    Mit besten Grüßen
    Uschi Brenscheid

  10. Fritz Nolden sagt:

    Da kann man nur noch staunen … die Eine meldet sich krank und der Andere traut sich nicht seinen Bürgern Rede und Antwort zu stehen. Und selbst in Düsseldorf fühlt sich niemand bemüssigt Stellung zu beziehen.
    Das Thema muss bundespolitisch ausgerollt werden – es kann doch nicht sein, dass man in einer “Demokratie” mit sowas durchkommt.

  11. Sabine Koepke sagt:

    Richtig so, Herr Sierau. Ich möchte betonen, dass ich keine Parteigenossin (mehr) bin, Ihre Entscheidung, das Amt anzutreten, aber mehr als begrüßt habe. Ihr Vorgänger hat Ihnen Schweres hinterlassen, aber in der SPD ist außer Ihnen keiner in Sicht, der das OB-Amt antreten könnte. Und in den anderen Parteien? Viel Dummschwätzer und Neider. Ich wünsche Ihnen, aber vor allem Ihrer Familie viel Kraft.Glück auf!!!

  12. Peter Klepp sagt:

    War klar, dass ein instinktloser Dortmunder SPD-Politiker so reagiert. Ihr glaubt ja wirklich, dass die Stadt Dortmund euer Eigentum ist.

    Und das Geheule wegen der Familie – wer hat Sie denn gezwungen, die in den Wahlkampf zu zerren? Den normalen Wähler interessiert es doch einen feuchten Kehricht, wie oft ein Kandidat meinte, sich reproduzieren zu müssen, oder wie die Gattin/der Gatte aussieht. Keiner will das wissen!

  13. Georg Gently sagt:

    Sehr geehrter Herr Sierau,
    dass Sie nach dem Wahlgesetz des Landes NRW gewählt sind ist unstrittig.
    Es bleibt aber richtig, dass Sie von knapp 449.000 Wahlberechtigten nur 94 786 Stimmen erhalten haben. Das heißt real haben Sie nur 21,08% der Wahlberechtigten gewählt. Das bedeutet im Umkehrschluß knapp 80 % der Wahlberechtigten haben Sie nicht gewählt.
    Wie auch immer die jetzige politische Wahlauseinandersetzung endet, Sie sind für die kommende Wahlperiode ein Minderheiten-OB.
    Es mag Sie sicher trösten, dass die CDU mit 59 316 noch schlechter abgeschnitten hat.
    CDU und SPD vertreten Minderheiten in dieser Stadt.

  14. Matthias Rohn sagt:

    Bei einer Neuwahl hätte ich Sie glatt gewählt. Jetzt bin über eine derartige Feigheit nur noch entäuscht.

  15. Jörg Häusler sagt:

    Bisher war ich der Meinung, daß die Vorgänge beim S04 die Lachnummer des Jahres 2009 wären, aber zu meiner Überraschung stelle ich fest, daß dieses durch die Dortmunder SPD doch noch zu toppen war.

    Vielen Dank für die lehrreiche Erfahrung, nicht zu früh zu urteilen!

  16. markus schymik sagt:

    richtig, immer weiter so!!!!!!!!!! wir haben ja nix gewußt, sicher sicher

  17. hansundgrete sagt:

    also herr sierau,

    tatsächlich haben sie es in den letzten tagen zeitweise geschafft den eindruck zu vermitteln, als würden sie einen amtsverzicht wirklich in betracht ziehen.

    aber sie sind eben doch in erster linie politiker, da müssen anstand und ehrlichkeit hinten anstehen.

    wie auch immer sie sich jetzt erklären, DIESE entscheidung wird ganz sicher auch bei den bürgern in erinnerung bleiben, die bisher noch an minimale redlichkeit in der politik geglaubt haben.

    diese entscheidung ist eine absolute dreistigkeit, und ihre partei wird die auswirkungen schon bei der bundestagswahl zu spüren bekommen.

    ich hoffe allerdings, dass die bürger dieser stadt sich auf diese art und weise nicht verarschen lassen und rufe jetzt schon jeden, zu hoffentlich bald fälligen, demonstrationen auf!

    übrigens bin ich sozialdemokrat, aber im moment kann ich gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte.

  18. Eva-Maria Schlömer sagt:

    Hallo Herr Sierau,

    Gott sei Dank! Ich bin sehr froh, dass Sie sich so entschieden haben!
    Dadurch kann Dortmund auf eine ehrliche, klare und faire Politik hoffen. Die Absicht der Leute, die Ihnen auf diese ziemlich miese Weise ein Bein gestellt haben, ist mit Sicherheit nicht so positiv.

    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Kraft, vor allem für die nächste Zeit!

    Viele Grüße
    Eva-Maria Schlömer

  19. Lieber Ulli,

    ich möchte Dir danken, dass Du die Wahl angenommen hast. Ich weiß, dass die letzten zwei Wochen für Dich sehr hart waren. Du hast meinen größten Respekt dafür, dass Du trotzdem den steinigen Weg wählst, und das Amt antrittst. Wir Genossen in Marten stehen hinter Dir.

    Liebe Grüße,
    Martin

  20. Bastian Müller sagt:

    Lieber Herr Sierau,

    ich finde es eine derartige Unverschämtheit ihrer Kollegen, Sie so ins offene Messer rennen zu lassen. Ihre Kollegen rund um Herrn Langemeyer und Frau Uthemann sollten sich auf’s Äußerste schämen!!!
    Meine Stimme haben Sie da, da ich Ihnen vertraut habe und das tu ich immer noch. Es wird endlich Zeit, dass Sie das Amt als OB antreten und Ihren Vorgänger samt Kämmerin eiskalt vor die Tür setzen!!!

    Ärmel hoch… und los geht’s!

  21. H. Thomas sagt:

    Ganz ehrlich? Ich bin erleichtert!

    Wenn es jetzt nicht dazu kommt, dass Herr Dr. Langemeyer und die Kämmerin auf nett bezahlte Vorstandspositionen gesetzt werden sondern wirklich aus allen Amt und Würden verschwinden, dann ist das ganze auch wenigstens gerecht.

    Mund abputzen, weitermachen!

  22. Hallo, Herr Sierau, das ist ein guter Text. Als Dortmunderin und Schriftstellerin bin ich immer wieder fasziniert, wie die Realität die Fiktion an Originalität und Spannung übertrifft.
    Manche halten diese Stadt für langweilig und die jahrzehntelange SPD-Herrschaft für öde und verfilzt. Dortmund birgt in seiner Entwicklung große Chancen und den Langweilern in Rat und Verwaltung sollten Sie mal ein bisschen Pfeffer in den .. naja … blasen.
    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Sie können sich meiner literarischen Beobachtung sicher sein. Grüße von Gabriella Wollenhaupt

  23. Günter Marx sagt:

    Lieber Herr Sierau,

    ich wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn Sie die Wahl nicht angenommen hätten.
    Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich eine – hoffentlich bald – schönere Zeit.

    Weiterhin alles Gute.

    Günter Marx

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